Umschlagtext:
Jasmin P. Meranius studierte zunächst Betriebswirtschaftslehre und arbeitet seither erfolgreich und freiberuflich in der Immobilienwirtschaft. Erst 2009 entdeckte sie ganz nach dem Vorbild ihrer berühmten Großtante Hilde Heyduck-Huth, einer international erfolgreichen Kinder- und Bilderbuchautorin, ihre Liebe zum Schreiben.
Wachkoma – ein Zustand, der erschreckt, der verunsichert, der noch lange nicht genügend medizinisch erforscht ist.
Beata, eine Bilderbuchkarrierefrau mittleren Alters, wird aus der Bahn geworfen. Ein existenzielles Erlebnis zwingt sie zum Nachdenken. Das Abtauchen in eine Welt jenseits des Big Business verhilft ihr zu neuen Einsichten: Nicht das „treten im Hamsterrad“, sondern der verantwortungsvolle Umgang mit der eigenen Gesundheit, aber auch mit den Gefühlen der Menschen um sie herum, sollen für die zweite Lebenshälfte zum Leitfaden werden.
Ein Buch das nachdenklich macht, das den modernen Anspruch an „höher, schneller, weiter“ auf sehr unterhaltsame Weise in einer klaren und direkten Sprache infrage stellt. Wie frei sind wir in Wirklichkeit, wie selbstbestimmt können wir unseren Weg tatsächlich gehen – oder sind wir nicht doch Marionetten einer brutalen Wirtschaftsgesellschaft?
Der Autorin ist es gelungen, existenzielle Fragen in eine spannende Geschichte zu packen, die dem Unterhaltungswert einer wunderbaren Erzählung gerecht wird.
Leseprobe aus "Wachkoma"
Die Asche ihrer Urgroßväter lag in ganz Russland
verstreut und ihr Zuhause war schon immer dort,
wo sie lebte und nirgendwo anders. Und sie lebte in
Deutschland und nicht in Russland. Was scherte sie
also die Asche in Russland?
Beata verweilte einen Moment bei dem Gedanken
an die alte Heimat ihres Vaters und es stieg ganz
vage eine vertraute Erinnerung in ihr hoch.
Sie kannte Russland nur aus früheren Urlauben und
sie erinnerte sich, wie ihr Großvater ihr als kleines
Mädchen immer erzählt hatte, wie er und seine
Familie 1941 gewaltsam aus ihrem Lebensraum
fortgerissen wurden und man ihnen damit einen
ungeheuren Stoß versetzt habe. Es sei eine schlimme
Zeit gewesen. Sie hatten nicht nur ihr schönes
Haus in Twer an der Wolga verloren, sondern auch
ihr gewohntes Umfeld und ihre Freunde. Durch
politische Intrigen hatten sie kein Vertrauen mehr
in die Menschheit, die sie um die Freiheit auf
Meinungs- und Mitspracherecht gebracht hatten.
Ihr Großvater hatte sie damals auf seinen Schoß
gezogen und gesagt: „Weißt du, als Oma und ich
gingen, konnten wir nur mitnehmen, was unsere
Hände tragen konnten.“
Einfach irgendwo herausgerissen werden, dachte
Beata. Ohne eigene Entscheidungsfreiheit. Ohne
jegliches Mitspracherecht. Sie mussten neu, bei
null und mit nichts starten, als Hilfsarbeiter, ohne
Würde.
Damals hatte Beata nicht nachempfi nden können,
was ihr Großvater damit gemeint hatte. Doch jetzt,
im Nachhinein, dämmerte es ihr.
Schlagartig bekam sie Magenschmerzen. Natürlich,
ihre Gastritis sollte sie zurück auf den Boden der
Tatsachen holen. Zurück in den kleinen Raum
hinter dem Ladengeschäft, in dem sie Grußkarten
schrieb.
Immer wenn sie mit großen Gefühlen konfrontiert
wurde, machte sich die Gastritis bemerkbar. Ein
Grund, weshalb sie sich die emotionalen und
körperlichen Strapazen einer Schwangerschaft bisher
erspart hatte. So viel zu dem von der Dürren
geforderten Geburtsrecht ihrer Kinder. Sie hatte
schließlich auch Rechte.
Beata strich sich durch das Haar, das sie nur
locker mit einer Spange hochgesteckt hatte, zog
den Kragen ihrer Bluse zurecht und widmete sich
schließlich wieder ihrer Grußkarte.
Doch an diesem Nachmittag konnten nicht einmal
Raumgestaltung oder schöne Klänge ausgleichen,
was sie innerlich bewegt hatte. Am Abend ging
Beata sogar eine Runde laufen, um den Kopf wieder
frei zu bekommen und das absurde Zeug, das darin
herumschwirrte, endlich loszuwerden.
Diesen Artikel haben wir am Montag, 16. Mai 2011 in unseren Katalog aufgenommen.