Umschlagtext
Die fünf waschechten Bayreuther/innen Dr. Günter Ammon, Dr. Yvonne Arnhold, Sabine Greiner, Evelyne Kern und Gerdi Schwalme erklären ihre Liebe zu Bayreuth. Und wie könnten sie es besser tun als mit Geschichten und Mundart-Gedichten über und aus ihrer Heimatstadt. In diesem Band ist alles vereint, halt „für jedn a weng wos“.
Leseproben in Hochdeutsch und fränkischem Dialekt
Grußwort
Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl
2. Bürgermeister Thomas Ebersberger
3. Bürgermeisterin Dr. Beate Kuhn
Kulturpfl eger Dr. Stefan Specht
Liebe Leserin, lieber Leser,
„Der Bareida is hald aa bloß a Mensch“ – so lautet nicht nur
der Titel des Buches – diese Erkenntnis werden Sie, lieber
Leser, auch gewinnen, wenn Sie dieses Buch zu Ende gelesen
haben. Denn darin lernen Sie die Spezies „Bayreuther“ auf
lyrische und prosaische – eben mal ganz andere Art kennen!
Hier werden Geschichten übers fränkische Eheleben erzählt,
interessante Dachbodenfunde ausgegraben und amüsante
Einblicke in die Bayreuther Wirtshauskultur gewährt. Mal
heiter, mal besinnlich – Geschichten von damals, Geschichten
von heute – dieses Buch erschafft ein zauberhaftes Bild von
Bayreuth und seinen Bayreuthern. Der Bayreuther wird beim
Lesen das Gefühl haben, in einen Spiegel zu blicken, der
Nicht-Bayreuther wird sich in den Charme der Bayreuther
verlieben. Und beide werden zu der Erkenntnis kommen:
„Der Bareida is hald aa bloß a Mensch“!
Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und bedanken uns bei
den Autoren für dieses unwiderstehliche Stück Bayreuther
Kultur!
Dr. Günter Ammon
G'schichten vom Schorsch
Theater
Der Schorsch wor in seim Wirtshaus g‘sessen
und hot die Zeit dabei vergessen,
hot seina Bierla gmietlich g‘schlabbt
und is recht spät erscht haam gedabbt.
Sei Edeltraut wor scho im Bett,
ober gschlofn hot se net.
Der Schorsch hot g‘merkt, sie is nuch wach
und rechnt mit am mittlern Krach.
Er nimmt an Stuhl sich aus der Küchn,
is ins Schlofzimmer nei g‘schlichn,
stellt na vor die Betten auf
und setzt erwartungsvoll sich drauf.
Die Edeltraut schaut staunend zu
und frächt na dann: „Wos machst denn du?
Wos soll des wern jetzt in der Nocht?“
Do socht er zu ihr mit Bedocht:
„Wenn des Theater los geht glei,
dann sitz ich in der erschten Reih!“
Evelyne Kern
Aus "Liebeserklärung an Bayreuth"
Ich hatte Sehnsucht nach meiner Stadt, meiner Kirchgasse, meinem Markt mit
meinem Spielzeugparadies Stemmler und den anderen kleinen
wunderbaren Geschäften. Meinem Opernhaus, in das ich
mich immer zurückzog, wenn ich „abtauchen“ wollte, um vom
Zeitungsstress abzuschalten. Ich erinnerte mich an meinen
Siegesturm, der Ziel vieler Spaziergänge war, die gleichzeitig
damit endeten, dass ich vom vielen Schwarzbeerenessen mit
blauer Zunge herumlief. Meinem Hofgarten, in dem ich mich
zum ersten Mal verliebte, meiner Milchbar, in der ich mich
mit den Freundinnen traf, meinem Reichshof-Kino, in das
ich mich oft heimlich, ohne zu zahlen hineinschlich, weil ich
jemanden kannte, der es mit einem Augenzwinkern zuließ.
Ich erinnerte mich an meinen Röhrensee, wo Opa Ruschel die
Kähne vermietete und uns schon mal umsonst hinausfahren
ließ. Ich sehnte mich nach dem Bayreuther „Gwaaf“, meinem
Dialekt, der mir so vertraut in den Ohren klang und nach
den Kerwas in den Stadtteilen, die man gerne in der Clique
besuchte. Das Brannaburger Bürgerfest, das Saaser Waldfest,
die „Neiawechakerwa“ etwa, und natürlich das bezaubernde
Sommernachtsfest in der Eremitage, wo der Sternenhimmel,
der Mondschein, das Feuerwerk und das mitgebrachte
Picknick dazu beitrugen, die romantischte Nacht des Jahres
zu erleben. Ach, war das schön.
Immer wenn ich zwischendurch für kurze Zeit nach Bayreuth
kam, um meiner Familie einen Besuch abzustatten, konnte
ich es kaum abwarten, dass die Bahn an die Stadtgrenzen
heranrollte. Ich drückte mir die Nase am Zugfenster platt und
mein Herz klopfte, dass es fast zersprang, wenn ich endlich
in den Bahnhof einfuhr, meinem Bayreuther Bahnhof. Muss
man erst hinaus in die Welt, um dieses Gefühl spüren zu
dürfen?
Schon in den Jahren, als ich im kühlen Norden das
Zeitungmachen erlernte, war Bayreuth für mich immer mein
Zuhause, in den Jahren in Afrika wurde es zu meiner Oase
und meiner ganz persönlichen Zufl ucht. Wenn ich nur daran
dachte, wurde mir unendlich warm ums Herz.
Seit einigen Jahren bin ich nun wieder hier – meine Milchbar,
meinen Stemmler und mein Reichshof gibt es längst nicht
mehr. Die Zeichen der Zeit brachten die Veränderungen, die
ich in meiner Stadt eigentlich nicht sehen wollte. Ich kann
es nicht ändern und muss damit leben, wie alle anderen
Bayreuther auch. Nun aber wird gewerkelt und vielleicht
dürfen wir wieder auf einen schönen Markt hoffen. Aber
nichts von alledem, nichts von den Modernisierungen,
strukturellen, kulturellen und politischen Veränderungen
haben auch nur einen Funken von meiner Liebe zu meiner
Heimatstadt gelöscht, im Gegenteil, mein Bayreuth kann mir
niemand madig machen.
Auch wenn Markgräfin Wilhelmine auszudrücken pflegte,
dass es ihr Bayreuth sei, obwohl sie ja eigentlich keine Hiesige
war und somit dieses Heimatgefühl ja nicht haben konnte,
so möchte ich es ihr heute mit einem lachenden und einem
weinenden Auge streitig machen – ich, die ich eine echte
Bayreutherin bin – es ist mein Bayreuth.
Es ist Zeit, meiner wunderbaren Stadt zu danken. Dieses
kleine Buch soll allen Bürgern und Besuchern unserer Heimat
ein wenig Freude bereiten und den Namen Bayreuths weit
über die Grenzen hinaus tragen.
Saufkumpl
Im Bauernwärdla ham sich die Zwa gedroffn,
do worn sa scho a weng besoffn
dann sind sa nuch ins Römabierstibla niba,
do worn sa iba “a weng” scho driba.
Dann sin sa nuch zum Porsch nei gstärzd,
do hod sa da Wärd auf die Strossn gsetzt
Ma hod sa dann nuch am Friedhof gsäng,
do wors um die Zwa obba scho gschäng.
Harde Klees
A Hammastädta hod a Fra,
ihre Kleeß sin hard wie Staa.
Wall er sei Fra oba moch,
hoda bis etzt nuch nichts gsocht.
So werd a woll ewich die hardn Dinga kriegn,
die na imma schwer im Mong rumlieng.
Die Fraa vom Rodn Hiegl
A Fraa vom Rodn Hiegl.
hot scheena Depf und Diegl,
Die bied sa auf da Lichdmeß o,
damit die Fraa vo da Gma schee kochn ko.
Dr.Yvonne Arnhold
Der Hundemörder
So beschreibt der Autor „Carolus“ in einer Ausgabe vom 23.
März 1957 unter der Überschrift „Wieland Wagners Hund“
als Glosse den traurigen Werdegang des Neufundländers, der
letztendlich nur durch die übergroße Liebe von Schorsch und
Trina am Leben blieb:
„Wieland Wagners, des Komponistenenkels schwarzer
Neufundländer „Casanova“ ist im wahrsten Sinne des Wortes
zu einem schwarzen Schaf Bayreuths geworden, das Furcht
und Schrecken einfl ößt. Es fi ng damit an, dass „Casanova aus
dem Hause Wahnfried“ plötzlich recht schlechte Manieren
zeigte. Bei einer Feier sprang er auf die Festtafel und fraß
vor den Augen der entsetzten Gäste eine Torte kurzerhand
auf. „Casanova“ wurde ernstlich verwarnt, er dachte jedoch
nicht daran, sich zu bessern. Im Gegenteil! Beim nächsten
Ausgang überfi el er die braune Dackelhündin der Lehrerin
Gisela Oestreich und biss das gepfl egte Tierchen tot. Die
Lehrerin kann das schreckliche Bild des Todes ihres Lieblings
nicht vergessen.
Jetzt war das Maß voll. Die Familie Wagner gab „Casanova“
in andere Hände. Der Sünder wurde in die Verbannung
geschickt und hatte in Friedrichsthal einen Lagerplatz zu
bewachen. Er verlor zur Strafe sogar seinen klangvollen
Namen und wurde auf „Wotan“ umgetauft. Darüber
grämte sich der stolze Neufundländer sehr. Aber nicht nur
diese Schmach machte ihn recht böse. Viel schlimmer noch
litt Wotan an der Einsamkeit. Er heulte so jämmerlich und
steinerweichend, dass ihn mitleidige Bayreuther Tierfreunde
wieder in die Stadt schaffen ließen.
Das hätten sie nicht tun dürfen, denn wenig später musste
der zarte Pekinese des Inhabers der Firma Spielwaren-Wild
in den starken Fängen Wotans sein junges Leben lassen.
Wenig später ereilte auch den munteren Dackel Nixe des
Kaufmanns Eberhard von Unruh ein ähnliches Schicksal.
Der rachsüchtige Wotan richtete den Dackel so übel zu,
dass er trotz aller tierärztlichen Kunst nach zwei Tagen
qualvoll zugrunde ging. Auch für die Familie von Unruh ist
Nixes jäher Tod ein schwerer Schlag und ein unschätzbarer
Verlust. Der Neufundländer aber scheint an diesen
Raubzügen Gefallen gefunden zu haben, denn er verletzte
inzwischen einen weiteren Dackel und einen Pudel schwer.
Nicht verwunderlich, dass tiefe Trauer in die betroffenen
Familien eingekehrt ist; denn wer Tiere liebt, weiß, was der
Verlust eines Hundes bedeutet. Die Geschädigten hassen
„Wotan“ und nennen ihn ein Untier. Einige fordern sogar
seinen Tod. Es gibt aber auch Tierkenner, die dennoch für
den Neufundländer eintreten und meinen, „Wotan“ sei trotz
seiner Unarten im Grunde genommen sehr anhänglich und
gutartig. Wenn er richtig behandelt werde, sei er geradezu
ein lieber Kerl.
„Wotan“ kann die Beschwerdebriefe nicht lesen, die zornige
und erregte Menschen seinetwegen verfassten, seine primitive
Tierseele aber ist offensichtlich vergrämt. Kein Mensch weiß,
was in ihr vorgeht. Wir wissen nicht, warum „Wotan“
zum Mörder wurde.
Diesen Artikel haben wir am Montag, 16. Mai 2011 in unseren Katalog aufgenommen.