Die Reise zum Blau

ReisezumBlau_400 Roman nach einer wahren Begebenheit

Autor: Michael Dunkel
1. Neuauflage 2011
140 Seiten, Brochiert

ISBN: 978-3-939478-300
E-Book: 978-3-939478-683

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Umschlagtext:

In seinem ersten Buch “Der Teufel kochte tunesisch” beschrieb Michael Dunkel eine unglaubliche, selbst erlebte Erfahrung in Nordafrika.

Sein neues Buch ist ebenfalls autobiographisch und eine weitere Episode seines Lebens.

“Arbeiten in der Sonne, wo andere Urlaub verbringen”, war der ausschlaggebende Satz, welcher den Erzähler veranlasste, seinen Arbeitsplatz in Deutschland aufzugeben, um auf Gran Canaria im Timeshare-Business sein Glück zu versuchen.

Amüsant und gleichzeitig nachdenklich erzählt der Autor aus der Sicht des Verkäufers von Nöten und zwischenmenschlichen Beziehungen einer eingeschworenen Verkaufs-Crew.

Mehr über Michael Dunkel und seine Werke erfahren Sie unter www.autorenprofile.de und www.michael-dunkel.com

Leseprobe

Die angesteuerte Hotelanlage erhob sich, auf einem kleinen Hügel liegend, über die am Meer entlang gebaute Küstenstraße. Der Anfahrtsweg zum Eingang des Gebäudes lag ebenfalls unterhalb des Hügels und wurde linker Hand mit überquellenden Mülltonnen gesäumt.
Ich empfand den Anblick für ein angeblich so hoch bewertetes Feriendomizil nicht sonderlich einladend, wollte aber nicht gleich wieder nörgeln.
Unser mürrischer Fahrer brachte seinen Lieferwagen zum Stehen, öffnete die seitliche Schiebetür und schlurfte wortlos auf den Eingang der verlassen wirkenden Empfangshalle zu. Eine klägliche Sekunde glaubte ich noch, er wolle uns das Gepäck in die Halle tragen. Jetzt schleppten wir, müde von dem Flug und der langen Anfahrt in der ungewohnten Hitze, unsere Koffer enttäuscht selbst hinein.

Es war vier Uhr nachmittags und offensichtlich die ungünstigste Zeit für unser Erscheinen. Nach zähem Warten auf den Rezeptionisten drückte dieser sich mit einem verschlafenen »Digame?« zum Empfang. Wir stellten uns vor, mit schwacher Energie eine Wichtigkeit aufbauend: »Wir sind die neuen Berater für den Verkauf der Wohnanlage und werden erwartet.« »Aah, die Neuen. Hier sind Schlüssel, bitte die Pässe abgeben und das Gepäck aus der Halle bringen. Dann könnt ihr in eure Zimmer. Morgen bitte um neun Uhr pünktlich hier unten.«

Wie jeder deutschsprechende Spanier erhielt seine Stimme einen lispelnden Klang, unterlegt von zusätzlichen, rollenden Kehllauten. Er hatte einen leicht hochnäsigen Ausdruck in seinem Gesicht und die spöttischen, dunkelbraunen Augen verrieten, er sah uns als durchlaufende Episoden an.
»Könnten wir bitte etwas zu essen haben?«, fragte ich.
»Essen?«, kam langgezogen die Antwort. »Unten am Strand könnt ihr essen, hier gibt es nur Selbstverpflegung.«
Mario bekam solch große Augen, dass ich laut lachte: »Fünfsternehotel kann ich da nur sagen.«
Eher zufällig schaute ich zur Decke hoch und zeigte spontan auf die an vielen Stellen leicht blätternde Farbe. Ein Gemälde mit blassblauem Hintergrund stellte eine kitschige Szene von Neptun und der Meerjungfrau dar.
»Sehr gepflegte Anlage mit höchstem Komfort«, lästerte ich.
»Warte, bis wir in den Appartements sind, dann können wir alles besser beurteilen«, erwiderte Mario.

Wir quetschten uns, einschließlich Gepäck, in den Aufzug und fuhren auf die erste Ebene mit Swimmingpool und die oval um ihn herum gestalteten Wohneinheiten. Die Eingänge dafür lagen auf der Rückseite und jedes Appartement verfügte über eine eigene, verdreckte und deutlich sichtbare Klimaanlage nach draußen. Wir gingen jeder für sich in seinen Wohnbereich und öffneten fast synchron die Türen zur Poolseite.
»Fünf Sterne sind das ja nicht gerade«, stellte Mario fest.
»Ganz nett für den Anfang, aber Luxus sieht für mich auch anders aus«, bestätigte ich ihm. Gemeinsam einigten wir uns darauf, schnell die Koffer auszupacken und dann einen Spaziergang zur Strandpromenade zu machen.
Unsere Kleidung haben wir kurz entschlossen den sommerlichen Temperaturen angepasst. Mit kurzen Hosen, T-Shirts und Leinenschuhen schlenderten wir jetzt mit kleiner, erster aufkommender Urlaubsstimmung die steile Anfahrtspiste zum Meer hinunter.

Die Promenade bestand aus rechts und links dicht aneinander gedrängten Kneipen, Restaurants und Cafés. Alle mit schmalen überdachten Terrassen, auf denen an winzigen Tischen schlecht gelaunte und sich nicht unterhaltende Paare saßen.
Einige schauten sinnend auf das Meer, andere starrten in die Luft, als ob sie auf etwas warteten, das nicht kam. Wir mussten bei diesem Anblick spontan lachen, waren aber gleichzeitig über das gebotene Bild betreten. Menschen in der sogenannten schönsten Zeit des Jahres, nämlich ihres Urlaubs, hatten endlich Gelegenheit, gemeinsam das Rauschen des Meeres, den Sonnenuntergang und gutes Essen zu genießen. Leider blickten sie gelangweilt voneinander fort und schienen ihre Freizeit abzusitzen.
Mario und ich beschlossen, die neue Umgebung, die südländische Musik und die freundlichen Einwohner direkt in uns aufzunehmen und strahlten mit ihnen um die Wette.Ganz zur Freude der vor den Restaurants stehenden, üblichen Animateure. »He, woher kommt ihr, wollt ihr was trinken? Für eure gute Laune erhaltet ihr den ersten Drink umsonst.«
»Wir werden hier arbeiten und wohnen im Augenblick im OCEAN PARADISE«, gab Mario zur Antwort.
»Oh Gott, ihr seid Timesharer?«, rief ein stämmiger Holländer über sein ganzes Gesicht grinsend.
»Nein, wir sind Kundenberater für Immobilien«, dementierte ich.
»Ihr werdet schon sehen. So welche wie ihr reisen in Horden an und liegen anschließend am Strand, weil sie kein Geld für ein Hotel haben«, mischte sich ein anderer Deutscher ein.
»Wir besitzen Arbeitsverträge und ein festes Gehalt. Wir beraten ganz seriös und ohne Druck«, entgegnete Mario sehr sicher.
»Na ja, ihr seid nett, lasst euch nicht unterkriegen«, tönte die Empfehlung des Holländers. »Wir werden euch ja nun öfters sehen. Kommt ab und zu ins ‚Oberbayern’, da haben wir Zeit, uns zu unterhalten. Ab elf Uhr abends ist dort was los.«
Wir bedankten uns und setzten die Erkundungstour weiter fort. »Die müssen sich doch irren«, grübelte Mario.
»Langsam komme ich auch zum Nachdenken«, ergänzte ich seine Befürchtungen. Unsere Diskussion über die eventuelle Schattenseite der Branche brachte uns keine Erkenntnis und wir kamen zu dem Schluss, die Dinge abzuwarten und die nächsten Tage auf uns wirken zu lassen.