Inzu und das Gold der Inkas

Inzu und das Gold der InkasISBN 978-3-939478-096
Autor: Evelyne Kern
Verlag Kern – 2008
1. Auflage
Broschiert / Sprache Deutsch

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Umschlagtext

Unmittelbar nach der dramatischen Notlandung im schier undurchdringbaren Dschungel des Amazonas-Gebietes gerät eine kleine Gruppe amerikanischer Geschäftsleute in ein ungewolltes Abenteuer, das keine noch so erschreckende Überraschung auslässt. Nach der Begegnung mit einem furchterregenden Kopfjäger-Stamm erfahren sie durch Zufall von einer alten Inka-Kultstätte. Beseelt von dem Glauben an das Inka-Gold, das dort verborgen liegen soll, lassen Sie sich auf das Wagnis ein, von ihrem Weg in die Heimat abzuweichen, um nach dem Schatz zu suchen… Dieser Roman vermittelt jedem Abenteuer-Fan die anregende und spannungsreiche Unterhaltung, die er erwartet – mehr noch – der Leser gerät in den Bann der Geschichte und vergisst für eine Weile den schnöden Alltag. Während die anderen beiden Romane der Autorin realistischem Boden entspringen, lässt sie hier, nicht ohne gründlich zu recherchieren, ihrer Fantasie freien Lauf. Genau wie die bereits erschienenen Werke der Autorin, ist dieser Roman eines jener Bücher, die man nicht eher aus der Hand legt, bis die letzte Seite umgeblättert ist.


Leseprobe

Wohlig reckte sich Percy Winters in den Polstern. Das gleichmäßige, tiefe Brummen der Flugzeugmotoren schläferte ihn ein. Genüsslich sog er an seiner Zigarette, versuchte Ringe zu blasen und starrte dem Rauch enttäuscht nach.

„Sagen Sie, Mr. Cooper“, wandte er sich an seinen Nachbarn, „wie haben Sie es eigentlich geschafft, noch eine Chartermaschine zu erwischen?“

„Wissen Sie, mein Lieber, mit guten Worten alleine kann man nicht viel erreichen. Aber mit Geld. Und ich gewann den Eindruck, dass dieser Pilot auf Scheinchen gut zu sprechen ist.

Nun, so konnte ich die Maschine mieten. Und der größte Witz, im Mietpreis ist eine Lebensversicherung inbegriffen.“

John Cooper lachte schallend und schlug sich auf die Schenkel. Er kippte fast aus dem Sessel.

„Hoffentlich sind wir bald in Bogotá, diese Hitze ist schier unerträglich. Miss Landers“, grölte er, „nun gießen Sie mir doch noch einen Gin ein. Aber nicht zu knapp!“

„Sie haben schon die halbe Flasche leergetrunken. Wird das nicht zuviel für Sie, Mister Cooper?“

„Haben Sie eine Ahnung, wie viel ich vertragen kann. Außerdem, Miss Landers – Sie sind eine gute Sekretärin. Wirklich brauchbar. Ich kann mich jedenfalls nicht beklagen. Bis jetzt noch nicht. Ihre Arbeit erledigen Sie mit Fleiß, Ausdauer und Umsicht…“

„Ich habe von ihnen kein Zeugnis verlangt“, unterbrach ihn das Mädchen. „Wenn ich eines brauche, reiche ich ein schriftliches Gesuch ein. Ihre scheinheilige Lobe können Sie sich also sparen.“

„Ja, nun warten Sie doch. Mein Spruch ist noch nicht zu Ende!

Wie gesagt, eine tüchtige Sekretärin sind Sie. Und deshalb gebe ich Ihnen den dienstlichen Befehl, mir einen Gin einzugießen!“

„Also, wenn es unbedingt sein muss, meinetwegen.“

Geschickt angelte sie die Flasche unter dem Sitz hervor und schwenkte sie zu ihm hinüber.

„Da, bitte, gießen Sie sich selbst ein. Bin doch keine Stewardess!“

„So was, bekommt der Chef von seiner Sekretärin nicht einmal einen Gin eingegossen! Ist denn das möglich?“

„Lieber Mr. Cooper. Erstens bin ich nicht so ein junges Ding, mit dem Sie umspringen können, wie Sie wollen. Schließlich werde ich nächsten Monat 26. Zweitens sind nicht Sie mein Chef, sondern Mr. Winters. Für Sie arbeite ich nur gelegentlich – wenn Mr. Winters für mich nichts zu tun hat. Und das kommt, wie Sie auch wissen, höchst selten vor. Und nun merken Sie sich das bitte endlich!“

„Haben Sie Eis?“

„Da halte ich Ihnen eine Standpauke und Sie fragen nach Eis. Mr. Cooper, ganz ernsthaft, Sie sind ein unmöglicher Mensch.“

„Haben Sie nun Eis oder nicht?“

„Eis habe ich nicht. Überhaupt haben Sie Ideen. Wie soll ich denn hier, tausend Meter über dem Amazonas-Urwald Eis beschaffen?

Das ist keine Luxusmaschine, sondern ein uralter Kasten ist das!“

„Tja, dann eben kein Eis!“

Ruckartig setzte er das Glas an den Mund und kippte die klare Flüssigkeit in einem Zug hinunter. Tief schnappte er nach Luft und lehnte sich dann seufzend zurück. Neben ihm schlief Percy Winters. Er hatte sein Gesicht dem runden Fenster zugewandt.

Auf der fettig, glänzenden Stirn perlten kleine Schweißtropfen.

Dann und wann strich er sich mit dem Handrücken wie automatisch über das Gesicht. Den oberen Kragenknopf hatte er gelockert und die rote, auf seinen Bauch.

Er war erfolgreich im Leben dieser Winters. Nicht gerade besonders – aber immerhin. Er hatte es zu einer ordentlichen Kaffeerösterei gebracht, zu einer schönen Villa im Prominentenviertel von Sao Paulo, zu einem Chevrolet, zu einer hübschen Frau und zwei Töchtern. Dabei sah er so unscheinbar aus. Niemand vermutete in ihm einen geschickten Geschäftsmann.

Auch Mr. Cooper hatte sich geirrt.

Sie lernten sich in einem kleinen Café auf der Rambla Cassina, einer palmenumsäumten Einkaufsstraße kennen. Durch Zufall kamen sie ins Gespräch und stellten fest, dass sie beide aus New York stammten. Sie unterhielten sich über das Wetter, über Fußball, über Frauen. Und als sie merkten, dass ihr Geschmack in jeder Beziehung gleich war, sprachen sie über Geld.

Cooper hatte etwas von einer Tante geerbt, die er nie gesehen hatte. Tanten konnte er nicht leiden. Er hatte etwas gegen verwandtschaftliche Bindungen. Aber jetzt mochte er diese Tante, liebte sie beinahe. Die Summe war nicht erheblich, aber man konnte mit dem Geld schon etwas anfangen. Und dann einigten sich die beiden irgendwann.

Winters machte Cooper zu seinem Teilhaber. Von dem Geld wurden neue Maschinen für die Rösterei gekauft. Ein Drittel des Gewinnes gab Winters ab sofort an seinen neuen Teilhaber ab. Ihre Kaffeebohnen bezogen sie aus Kolumbien und heute Abend wollten sie den neuen amerikanischen Besitzer der großen Plantage treffen, um mit ihm über die neue Ernte zu verhandeln.

Percy Winters blinzelte. Die Sonne stach ihm in die Augen.

Schräg vor sich sah er eine Trag Flügelblätter wie durch eine silbrige, durchsichtige Scheibe sehen.

Mr. Winters schaute nach unten. Ein grünes Meer von Wäldern, dichten, undurchdringlichen Wäldern. Und über allem lastete die Unermüdlich drehte sich der Propeller. Über der Trag zerstieben kleine, dunkle Rauchwölkchen. Wie Krakenarme schoben sie sich über das glitzernde Metall.

„Rauchwölkchen über der Trag Mr. Winters stutzte. Plötzlich saß er kerzengerade im Sitz. Aufgeregt stieß er mit dem Ellenbogen seinen Nachbarn in die Seite.

„He, was soll das?“

„Mr. Cooper, können Sie sich erklären, wie eine Tragfläche zu rauchen beginnt?“

Tragflächen rauchen nicht“, meinte er zwischen zwei Zügen aus seinem Glas. Seine Stimme lallte etwas, sie klang irgendwie so, als würde seine Zunge an den Zähnen kleben.

„Schauen Sie doch selbst hin – die hier raucht aber!“

John Cooper legte seinen Oberkörper über die Knie vonWinters. Dicht presste er das Gesicht ans Fenster und starrte auf den Propeller. Der Rauch wurde dunkler, wie eine schwarze Fahne flatterte er hinter der Tragfläche.