Bucht der trügerischen Leidenschaft

Bucht der trügerischen LeidenschaftEine wahre Geschichte
ISBN 978-3-939478-11-9
ISBN 978-3-939478-11-9
Autor: Hannelore Di Guglielmo
Verlag-Kern, 1. Auflage 2008
Softcover, 224 Seiten/ Sprache Deutsch

>> kaufen:  Buch 17,90 EURE-Book 13,49 EUR

Auf Facebook empfehlen

Umschlagtext

Gebeutelt vom viel zu frühen Tod ihres geliebten Ehemannes zieht sich Anna immer mehr in ihre Trauer zurück, bis sie sich eines Tages zu einer Schiffsreise in die Türkei entschließt, die ihr zum Verhängnis werden soll.

Auf dem Boot trifft sie auf den Mann, der sie aus ihrer Einsamkeit reißt und dem sie mit Haut und Haaren verfällt. Wieder zum Leben erweckt, genießt Anna auf weiteren Reisen das Leben in vollen Zügen, kann sich aber nicht völlig daran erfreuen. Immer wieder reist sie zu ihrem Kapitän, der sie in seinen Bann gezogen hat. Erst viel zu spät erkennt sie, dass sie einer Illusion aufgesessen ist.

Offen und schonungslos erzählt die Autorin ihre Geschichte. Gekonnt, spannend und sehr flüssig beschreibt sie ihre emotionsgeladenen Erlebnisse mit dem Mann, der eigentlich nur eines von ihr wollte, ihr Geld…

Dieses Buch bietet einen tiefen Einblick in das brutale Geschäft mit den Gefühlen, dem jedes Jahr tausende Frauen in orientalischen Ländern erliegen, genannt Bezness.


Leseprobe

Als alle beim Schwimmen waren, zog er mich in seine Kabine, die hinterher aussah, als hätten Wandalen gehaust. Jetzt waren auch wir satt. „Hier eine kleine Überraschung“, sagte ich und zog aus meiner Tasche ein schön verpacktes Feuerzeug, in silberner Hartschale, auf dem zwei Herzen rot blinkten, sobald man es bediente, und zudem eine Liebesmelodie erklang. „Aufmachen“, forderte ich ihn auf und er hob das purpurrote Samtkissen. „Was ist diese?“ fragte er. „Das sind 300 Euro, damit du nach Deutschland kannst, zu deiner Familie.“ „Du alles wissen“ flötete er salbungsvoll, „ich kommen, ich auch zu dir kommen.“ Es machte mich unglaublich glücklich, ihm eine Freude machen zu können.

„Wehret den Anfängen, denn sie wissen nicht was sie tun.“ Nie war der Spruch zutreffender, denn jetzt. Sehr bald sollte ich wissen, was für einen fatalen Fehler ich damit begann.

Sophia kam aus dem Wasser und sagte, dass wir noch heute, spätestens 24.oo Uhr, zurück müssten, da sie um 2.4o Uhr, und ich eine Stunde später, abgeholt werden würden zum Flugplatz. Karim war traurig und fragte mich immer wieder, warum ich mich nicht gemeldet hätte „wir Zeit verloren.“ Nun, im Nachhinein, konnte ich mein Verhalten selbst nicht mehr verstehen und so blieb ich die Antwort schuldig. Warum war ich nur so dumm, meine selbst auferlegte Kasteiung, was hat sie mir gebracht? Er telefonierte mit seinem Freund und machte unsere Rückkehr klar. Punkt 24.oo Uhr erreichte uns ein Motorboot. Es war Sophias 39ster Geburtstag. Wir glitten alle drei, lautlos mit Paddeln, in das schwarz glänzende Meer, keiner wagte etwas zu sagen, um den Zauber nicht zu zerstören.

Es war ein Tag vor Vollmond. Ich erinnere mich nicht, etwas annähernd Romantisches während eines lange zurück liegenden, 6-wöchigen Segel-Törns durch die Karibik, je erlebt zu haben. Weiter draußen auf dem Meer stellte sein Freund den Motor an und wir fuhren, uns an den Händen haltend, vor Verlangen nach dem anderen zerberstend, ins nasse, gespenstisch anmutende Nirwana. Am Restaurant angelangt, das bereits mittags unser Treffpunkt war, stiegen wir in den VW-Transporter seines Freundes. Sophia neben dem Chauffeur, Karim und ich dahinter Platz nehmend. Keiner von uns sprach auch nur ein Wort während der rasanten Nacht-Fahrt über die Klippen. Den Abgrund vor Augen wünschte ich nur noch eins, dass es jetzt zu Ende sein soll. „Bitte, lieber Gott, jetzt einen Freiflug in den Himmel!“ Mein geliebter Mann war dabei ebenso präsent wie Karim, der, seine Hand dicht an meiner, elektrisierend, aber mich nicht berührend, daneben saß. Was war das doch für ein Machtspiel zwischen uns, beide boten wir das äußerste an Willensanstrengung auf, um nicht den Anfang zu machen und blieben unberührt.

Nachdem wir Bodrum durchquert hatten, kamen wir endlich in Gümbet an. An einer erhöhten Kurve, nahe unserem Hotel, war eine Bar, die wir die vorangegangenen Abende zum Abschluss eines jeden Abends aufsuchten. Der Inhaber, ein einzigartiger Typ aus der Hippie-Zeit, meist mit Piratentuch um den Kopf sowie breitem Lächeln im Gesicht, erwartete uns schon. Sofort legte er unverschämt schmalzige Musik „Lady in Red“ auf, als er uns erblickte. Unsere Begleiter waren für ihn uninteressant, er ignorierte sie weit gehend. Über das ganze Gesicht grinsend brachte er uns, in hohen Gläsern reizend dekoriert, „Sex on the Beach“ mit Funken sprühenden Sternwerfern, wohl wissend, dass dies unser Abschied war. Die Männer waren verblüfft, ob dieser Einlage, nahmen Bier – sie hatten Durst nach der Fahrt – und mussten denselben Weg noch zurück. Karim wollte unbedingt noch unser Zimmer sehen und holte Sophias Koffer, um sie zum bereitstehenden Bus zu geleiten. „Aha, da du wohnen“, sagte er anerkennend. Kurz darauf gab es Tränen von Sophia, die sich vehement weigerte, ab zu fahren. „Nein, ich bleibe hier“, heulte sie ungeniert drauf los, „ich geh nicht zurück, ich will bei euch bleiben.“ Wir verabschiedeten sie alle ganz lieb mit der Zusage, dass wir in Verbindung blieben. Karim war das zuviel, mir auch, zudem tat der Drink seine Wirkung. So sagten wir einander Adieu, zumal sein Freund schon wartete. „Du anrufen, du Adresse haben“, hörte ich noch, und nickte zustimmend. Nach einer Dusche war auch mein Bus – reichlich früh – wie ich dachte, zur Abfahrt bereit nach Deutschland, meiner Heimat. Wirklich meiner Heimat?