Atemlos ins Nichts

Atemlos_400Untertitel: Eine bittersüße Liebesgeschichte
ISBN 9783939478034
Autor: Evelyne Kern
Verlag Kern, Bayreuth
3.überarbeitete Neuauflage, Dez.2011
Seiten: 240 Broschiert / Sprache Deutsch

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Umschlagtext

Atemlos ins Nichts ist Evelyne Kerns zweiter Roman und die bittersüße Liebesgeschichte Julias, die alles verliert, was sie liebt. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen verliebt sie sich als 17-jährige in einen Autodieb. Er ist ihre große Liebe und sie wird ihn, obwohl er bei einem schrecklichen Unfall ums Leben kommt, niemals vergessen. Zwei weitere Männer kreuzen in den folgenden Jahren ihren Weg und auch diese verliert sie auf tragische Weise. Tapfer erträgt sie alle Schicksalsschläge, bis sie eines Tages völlig ausrastet….

Dieser Roman geht durch Mark und Bein. Ungemein romantisch, aber auch unendlich traurig spricht er all die Personen an, die gerne mal ihren Tränen freien Lauf lassen. Zum Heulen schön, aber auch irre romantisch und zugleich anregend spannend verspricht diese Geschichte eine außergewöhnliche Unterhaltung.


Leseprobe aus “Atemlos ins Nichts”

Und dann hisste Ricardo das Segel und schon ging es los. Gekonnt manövrierte Ricardo das Boot durch die zerklüftete Felslandschaft hinaus auf das offene Meer. Die Möwen flogen an ihnen vorbei, Fische tauchten auf und sprangen zurück. Die Sonne blinzelte durch die Wolken, die sich immer mehr zusammen zogen. Ricardo zog an den Leinen und lachte über das ganze Gesicht. Er war glücklich.

Julia war etwas mulmig zumute, aber sie sagte lieber nichts. Es würde vorbeigehen, dachte sie sich. Der Himmel wurde immer bedrohlicher. Für einen kurzen Moment, glaubte Julia Besorgnis in Ricardos Mine erkennen zu können, als er nach oben blickte.

„Als wir losfuhren, sah es aber nicht so aus, als würde das Wetter schlecht werde. Ich denke es wird regnen.“ rief Julia ihm entgegen.

„Zieh die Segeljacke an, mein Herz, dann wirst du nicht so nass. Ein bisschen Regen hat noch niemanden umgebracht“, lachte er.

Der Wind trieb sie weiter hinaus auf das Meer und als dann plötzlich eine der vielen, inzwischen dunklen Wolken aufbrach und einen Regenguss auf das kleine Boot herab schüttete, zog Julia den Kopf ein und blickte besorgt zu Ricardo, der nun versuchte, eine Wende zu machen. Es gelang ihm und Julia war erleichtert, als sie merkte, dass er umkehrte.

Nun schüttete der Himmel alles was es an Wasser gab, auf sie herab, der Wind wurde immer stärker und entwickelte sich zu einem ausgewachsenen Sturm. Julia hielt sich krampfhaft an der flachen Reling fest und Ricardo hätte jetzt wohl sechs Hände gebrauchen können, um das Boot zu halten. Der Sturm wurde immer stärker und lauter und Julias Angst entwickelte sich langsam zur Panik.

„Lieber Gott, betete sie, lass uns das heil überstehen.“

Durch den starken Regen konnte Julia die Klippen erkennen, die vor der Küste und damit vor dem sicheren Land, lagen.

„Wir sind bald da“ rief sie gegen den Wind. Allerdings wusste sie nicht, ob Ricardo sie hören konnte. Er hatte alle Mühe das Boot manövrieren, aber der Sturm trieb sie immer schneller auf die Klippen zu. Ricardo versuchte, das Boot an den Felsen vorbei zu lenken. Er wusste, dass er bei diesem Sturm keine Chance hatte, es hindurch zu bringen. Aber es gelang ihm nicht. Sie trieben immer weiter auf die Küste zu und knapp an den ersten Felsen vorbei.

Julia schrie auf, aber als sie den Landstreifen erkennen konnte und dass dort einige Menschen wild umher liefen, etwas riefen und mit den Armen fuchtelten, wusste sie, dass sie es nun fast geschafft hatten.

Plötzlich knallte es und als Julia ihren Blick vom rettenden Strand abwandte und wieder zu Ricardo sah, war er nicht mehr da. Verzweifelt suchte sie mit den Augen das Boot ab. Er war nicht zu sehen. Dann sprang sie auf, taste sich auf allen Vieren an den Bug und rief verzweifelt seinen Namen in den Wind.

„Ricardo, Ricardo, antworte doch, wo bist du?“

Dann sah sie ihn. Seine gelbe Segeljacke, die er ebenfalls angezogen hatte, als der Wind stärker wurde, blitzte zwischen zwei sich aufschäumenden und an dem Felsen brechenden Wogen hervor.

„Nein, nein, rief Julia, nicht schon wieder. Lieber Gott, lass es nicht zu.“

Panik überkam sie. In diesem Augenblick war alles wieder da. Marian in seinem Bett im Keller der Klinik, als sie ihm zum letzten mal seine toten Augen küsste. Marco, der in ihren Armen starb und ein Nichts in ihrer Seele hinterließ. Die zwei Schatten der geliebten Männer im Park. Wo waren sie jetzt?

Wieder schrie sie in die Fluten

„Ricardo“ und dann „Marian“ und dann „ Marco“.

Julia wusste in diesem Augenblick nicht mehr was sie tat. Blankes Entsetzen erfasste sie und schnürte ihr die Kehle ab. Atemlos und ohne zu überlegen, ohne einen Augenblick daran zu denken, dass sie sich selbst in Gefahr bringen konnte, sprang sie über Bord und kämpfte sich zu Ricardo vor. Sie wusste nicht, woher sie die Kraft nahm. Sie schluckte unendlich viel Wasser aber sie erreichte ihn schließlich und hatte einen Zipfel der Segeljacke in ihrer Hand. Sie spürte, dass er sich wild bewegte. Ricardos Kopf kam aus den Fluten hervor und sie konnte einen Augenblick sehen, dass er nach Luft schnappte.

„Ricardo, Liebling“, rief sie. Ich bin da. Ich helfe dir.“

Das eiserne Band, das sich wieder einmal um Julias Herz spannte, als sie Ricardo plötzlich nicht mehr sah, löste sich etwas.

„Du lebst, Ricardo, du lebst. Ich bin da, halt dich an mir fest.“

Dann ging alles sehr schnell. Ricardo sah nun, dass Julia ihm zu Hilfe gekommen war und versuchte, sie festzuhalten. Ihm war nichts passiert. Er war nur von Bord gespült worden. Er hatte sich den Kopf irgendwo angeschlagen, aber es war sicher nicht schlimm. Aber Julia wusste das nicht. Er schrie sie an, sie sollte sich still verhalten, ihm sei nichts passiert, aber sie hörte ihn in dem Getose des Wassers nicht. Im Gegenteil. Julia glaubte, ihr Ricardo sei verletzt und versuchte nun mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, ihn auf das flache Stück Felsen zu ziehen, das vor ihnen lag. Ricardo tat das Gleiche und so behinderten sie sich gegenseitig.

Eine starke Welle trieb Julias Körper herum. Ricardo versuchte sie zu halten, aber dann schlug sie mit dem Kopf auf dem Felsplateau, das ihre Rettung sein sollte, auf und war still. Nun konnte Ricardo sie hinaufschieben und sich selbst daran hochziehen. Völlig außer Atem und am Ende seiner Kraft lag Ricardo auf dem Stein. Er hielt Julia fest an sich gepresst. Er konnte nicht hören, dass sie nicht atmete. Der Sturm übertönte alles. Er küsste ihr den Kopf und bemühte sich, sich aufzusetzen, um an den Strand zu sehen. Dann konnte er die Leute sehen, die aufgeregt gestikulierten, hob den Arm und winkte heftig.

Das kleine Felsplateau, das nur etwa fünfzig Meter vom Land entfernt im Wasser lag, wurde nun von den Menschen am Strand genau beobachtet. Ein Mann hatte ein langes Seil um sich geschlungen und ging ins Wasser. Er kämpfte sich durch die Brandung und es gelang ihm, das Plateau zu erreichen. Ricardo band Julia mit dem Seil an sich und der Retter legte das Seil noch einmal um beiden Verunglückten. Vom Strand her wurde nun an dem langen Seil gezogen und alle drei Menschen kamen sicher an Land zurück.

Ein Arzt war bereits zur Stelle und er erkannte, dass Julia nicht bei Bewusstsein war. Eine tiefe, klaffende Wunde an ihrem Hinterkopf färbte ihr blondes Haar blutrot.